09. Juni 2023 – Radio Brocken
Viele Redewendungen wendet man einfach so an und sind mit unserem Sprachgebrauch verankert. Haben Sie sich schon mal überlegt, woher diese kommen? Welchen Ursprung manche Redewendungen haben?
Alles in Butter
Einfach übersetzt: Es ist alles in bester Ordnung!
Doch woher kommt dieser Ausdruck? Aus dem Mittelalter. Damit beim Transport wertvoller Glasgefäße über weite Strecken nichts zu Bruch ging, wurde diese Gläser in Fässer gelegt und mit heißer Butter übergossen, die sich später verfestigte und eine sichere Schutzhülle bildete.
Da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt
Oh! Ah! Mit dieser Redewendung bringt man Erstaunen oder Überraschung zum Ausdruck. Doch was hat das mit einem Hund in der Pfanne zu tun? Der Hintergrund dieser Redewendung geht aus einer Geschichte um dem bekannten Harlekin Till Eulenspiegel hervor, während dieser in einer Brauerei arbeitet. Hier sollte er für das Bier den Hopfen sieden und schmiss kurzerhand den Hund des Brauereibesitzers namens "Hopf" in die Pfanne. Was natürlich für riesigen Ärger sorgte.
Besser ein Spatz in der Hand, als eine Taube auf dem Dach
Diese Redewendung hört man ziemlich oft und drückt aus, dass man sich mit dem zufrieden geben sollte, was man hat. Auch wenn es nicht das "Perfekte" ist. Doch wieso Spatz und Taube? Ein Spatz gilt im Vergleich zur Taube als weniger wertvoll. Zudem ist er wesentlich kleiner und leichter und somit kann man ihn leicht mit einer Hand festhalten, damit dieser nicht davonfliegt. Das ist bei einer Taube auf dem Dach wesentlich schwieriger. Also: Bevor man mit leeren Händen dasteht, sollte man sich doch lieber für den Spatz entscheiden.
Auf 180 sein
Oh, das kennt jeder und heißt: sich lautstark über etwas aufregen und wirklich wütend sein. Diese Redewendung ist noch nicht so alt und bezieht aufs schnelle Fahren. Autofahrer, die mit 180 Stundenkilometer auf der Autobahn lang brettern, werden von vielen als Raser bezeichnet. Da man auch rasend vor Wut sein kann, wurde die Geschwindigkeit ganz einfach auf den allgemeinen Gemütszustand des Ärgerns übertragen.
Übrigens: Diese Redewendung wurde mit der Zeit an den technischen Fortschritt angepasst – ursprünglich lautete sie „auf 80 sein“.
Kohldampf haben
"Ich habe richtig Hunger!". Wenn man sich fühlt, als hätte man seit Tagen nichts gegessen, dann kommt diese Redewendung zum Einsatz und diese kommt aus der mittelalterlichen „Gaunersprache“ Rotwelsch. Das Wort „Kohler“ bedeutete dort so viel wie Hunger, genau wie das Wort „Dampf“. Beide Begriffe wurden kombiniert und ergaben das deutsche „Kohldampf“.
Ich glaub‘, mein Schwein pfeift!
Haben Sie schon mal ein Schwein pfeifen gehört? Vermutlich nicht. Denn wenn es so wäre, dann würden Sie es wohl kaum glauben. Und genau das bringt diese Redewendung zum Ausdruck: Man glaubt nicht, was gerade passiert ist.
Nur Bahnhof verstehen
Diese Redewendung kommt aus der Zeit des Ersten Weltkrieges und bedeutet, dass man nichts verstanden hat von dem, was einem gerade erzählt wurde. Der Hintergrund hierfür: Während des Krieges standen erschöpfte Soldaten auf dem Bahnhof und konnten damals an nichts anderes mehr denken und über nichts anderes sprechen als die lang ersehnte Heimreise mit dem Zug. Sie hatten quasi einen Tunnelblick auf den Bahnhof und blendeten alle anderen Themen aus.
Unter einer Decke stecken
Wer kennt diese Redewendung nicht?! Sie bringt nichts anderes zum Ausdruck, als das sich Menschen zu einem bestimmten Zweck miteinander verbünden und dabei über Dinge Bescheid wissen, die anderen verborgen bleibt. Hier liegt der Ursprung einige Jahrhunderte zurück. Nach dem germanischen Eherecht musste sich das Brautpaar nach der Vermählung im Beisein von Zeugen unter eine gemeinsame Decke legen. Erst dann wurde die Vermählung rechtkräftig. Später dann wurde diese Redewendung auch auf befreundete Soldaten bezogen, die zusammen schwere Zeiten durchstanden und im Krieg sich aus Platzgründen ebenfalls eine Decke teilen mussten.
Sich vom Acker machen
Heißt nichts anderes als sich davonstehlen. Im Soldatenjargon wurde das Übungsgelände auch Acker genannt. Wer sich vom Acker machte, der drückte sich.
Sich etwas aus dem Ärmel schütteln
Wer sich etwas aus dem Ärmel schüttelt, der musste sich schnell etwas einfallen lassen bzw. sich was ausdenken, um sich aus einer schwierigen Situation zu befreien.
Zurückzuführen ist diese Redewendung auf das Kartenspielen. Bei einem schlechten Blatt bediente man sich an denen im Ärmel versteckten guten Karten. Auch eine ältere Deutung könnte hier der Ursprung sein. Früher hatten die Gewänder noch sehr weite Ärmel, in den man sich nicht nur die Hände wärmen, sondern auch kleinere Gegenstände verstauen konnte, so dass man diese dann wieder aus dem Ärmel schüttelte.
Von Tuten und Blasen keine Ahnung haben
Was soviel heißt: Von nichts eine Ahnung haben. Der Ursprung liegt bereits im Mittelalter. Dort galt die Tätigkeit des Nachtwächters, dessen Arbeit – zu voller Stunde in ein Horn zu blasen – als anspruchslos und war schlecht bezahlt.
Kein Blatt vor den Mund nehmen
Das sagt man, wenn man seine Meinung deutlich vertritt und direkt sagt, was man denkt, ohne es zu beschönigen. Dieser Redewendung kommt aus der Theatersprache der Antike. Hier verbargen die Schauspieler mit einem Feigenblatt ihr Gesicht, um so nicht für ihre gespielten Worte zur Rechenschaft gezogen werden konnten.